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Bund Deutscher Orgelbaumeister e.V.

ORGELWERK UND ORGELWERT

Orgelbau ist eine sehr individuelle, handwerkliche Kunst. Orgelbau ist einer der wenigen Bereiche, in denen es keine Serien gibt: Jedes Instrument wird als Unikat gefertigt. Die Lebensdauer einer Orgel ist nicht auf Jahre, sondern auf Jahrhunderte ausgerichtet, wie viele Beispiele aus der Geschichte belegen. Gängige betriebswirtschaftliche Rechenmodelle greifen bei Orgeln zu kurz: Anschaffungskosten und Lieferzeiten, zweifellos wichtige Entscheidungskriterien, verlieren nach einigen Jahren an Bedeutung: Was dann zählt, ist allein die musikalische und technische Qualität des Instrumentes.

Auf den Internetseiten vieler Handwerksverbände finden Sie die Zusammensetzung der Kosten für verschiedene Gewerke. Der Preis für eine Handwerkerstunde im Orgelbau (regional und branchenbedingt schwankend) setzt sich (Stand: Januar 2017) in etwa wie folgt zusammen:

Stunden-Verrechnungssatz (brutto)
Brutto-Stundenlohn (Facharbeiter) ca. 16–20€ 24%
Lohn-Nebenkosten ca. 13–19€ 22%
betriebliche Gemeinkosten ca. 19–25€ 30%
Risikozuschlag und Gewinn ca. 5–7€ 8%
Stunden-Verrechnungssatz (netto) ca. 53–71€ 84%
Mehrwertsteuer 19%   16%
Stunden-Verrechnungssatz (brutto) ca. 63–84,90€ 100%

Multipliziert man den Stundensatz mit der Zahl der für ein Projekt nötigen Arbeitsstunden, erhält man die Lohn- bzw. Arbeitskosten.

Orgelbauwerkstätten übernehmen für ihre Mitarbeiter und für ihre Kunden eine große Verantwortung: Es geht um einen gewissenhaften Umgang mit Spendengeldern, mit öffentlichen Mitteln und Zuschüssen sowie um sichere Arbeitsplätze. Neben allen künstlerischen Intentionen müssen Orgelbauwerkstätten kaufmännisch agieren und Gewinne erzielen, um Rücklagen zu bilden und die Betriebe auf die Zukunft ausrichten zu können.

Um die Leistungsfähigkeit der Orgelbauwerkstätten zu erhalten und kontinuierlich zu steigern, sind Investitionen in die Ausbildung und die ständige Qualifizierung der Mitarbeiter, in die Erneuerung der Werkzeuge und in die Bereiche Forschung und Entwicklung unverzichtbar.

Neben den üblichen Positionen wie Raummiete, Gebühren etc. fallen bei den betrieblichen Gemeinkosten im Orgelbau folgende wesentliche Faktoren an:

  • Die Kosten für die Ausbildung im Handwerk trägt die jeweilige Werkstatt. Die Aus- und Fortbildung findet im dualen System statt: Werkstatt und Fachschule für Musikinstrumentenbau in Ludwigsburg. Die Kosten für die Ausfälle durch die Schulzeiten (fast ein Jahr während der ganzen Ausbildung) tragen die Werkstätten. Eine Fachkraft muss mehrere Teilbereiche abdecken, was Zeit benötigt, um Erfahrungen zu sammeln. Ungewöhnlich hoch ist der Aufwand für die innerbetriebliche Fortbildung.
  • Für Angebote fallen Arbeitszeit und Reisekosten an. Oft liegen sie im fünfstelligen Bereich bei Orgelneubau oder aufwendigen Restaurierungen im fernen Ausland.
  • Die Werkstätten müssen einen großen, hochwertigen Maschinenpark, verbunden mit hohen Pflege- und Instandhaltungskosten, vorhalten.
  • Es fallen Lizenzgebühren an für Software in Konstruktion und Buchhaltung, bedingt durch die Einzelfertigung und die Komplexität beim Einsatz an immer neuen Orten und in unterschiedlichen Ländern.

Schließlich wird für Pfeifenorgeln hochwertigstes Material verwendet. Hinzuzurechnen sind somit die Kosten für abgelagerte Hölzer, Orgelmetalle, Instrumentenbau-Leder und Spezialteile, die in der Summe zwischen 20 und 30% des Angebotspreises betragen können.

Um langfristig höchste Qualität sichern zu können, müssen Orgelbauwerkstätten optimale Fachkräfte akquirieren und sie kontinuierlich motivieren. An Orgelbauer werden extreme Anforderungen gestellt, auch wegen langer Abwesenheiten von zuhause. Fairer Lohn ist eine Grundvoraussetzung, um auch für die Zukunft die besten Fachkräfte für unser spannendes Aufgabenfeld zu gewinnen.

Deutschland ist seit Jahrhunderten ein Kernland des Orgelbaus. Wir alle arbeiten daran, dieses in die Zukunft zu führen.

Bund Deutscher Orgelbaumeister e.V.
Allkofen 208
84082 Laberweinting
Tel.: 09454/215
Fax: 09454/1255